Sofortüberweisung: Zwang zur Sofortbank?

Bereits in der letzten Maiwoche habe ich einen Anruf eines Mitarbeiters der Payment Network AG, dem Betreiber von sofortüberweisung.de, erhalten. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund neuer gesetzlicher Vorschriften entweder eine Konto bei der hauseigenen Sofortbank eröffnet werden müsse oder die bisher geleistete Zahlungsgarantie wegfallen würde. Umstellungstermin sei der 01.06.2011.
Viel mehr wurde mir nicht erzählt und ich hatte zunächst einmal Zweifel, ob der Anruf tatsächlich von sofortüberweisung kam – irgendwie machte das ganze nicht keinen so ganz seriösen Eindruck…

Es stellte sich aber recht schnell heraus, dass sofortüberweisung die Aufforderung ernst meint und wahrscheinlich nur unglücklich kommuniziert hatte – eine Pressemeldung oder Information auf der Webseite war und ist bis heute jedenfalls nicht zu finden.

Für die Shops, die ich betreue stehe noch immer vor der Entscheidung – lange nach dem 01.06.11 (bislang ohne weitere Nachricht von sofortüberweisung) -, wie ich mit den neuen Gegebenheiten umgehe: Konto eröffnen, nichts tun (und auf die Zahlungsgarantie verzichten) oder den Dienst abschalten?

Hintergrund

Leider habe ich (noch) keine validen Quellen dafür gefunden, aber ich vermute nach der Lektüre einiger Foren und Webseiten, dass es aufgrund gesetzlicher Vorschriften ausschließlich Banken gestattet ist, Zahlungsgarantien auszusprechen. Ich nehme an, dass sofortüberweisung.de entweder aufgrund einer Abmahnung (g.r…y? :-)) oder aus einem anderen Grund untersagt wurde, ab Juni 2011 die Zahlungsgarantie anzubieten, mit der bislang geworben wurde. Zumindest für Kunden, die kein sofortbank-Konto besitzen.

Was bedeutet das?

Jeder sofortüberweisung-Kunde ohne sofortbank-Konto muss sich zwischen den drei genannten Alternativen entscheiden.

Im Folgenden möchte ich diese Möglichkeiten ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen:

Kontoeröffnung sofortbank

Eine Kontoeröffnung hat den Vorteil der beibehaltenen Zahlungsgarantie, besonderer “Features” speziell für den eCommerce-Bereich und den Nachteil des nicht zu unterschätzenden buchhalterischen Aufwands, den die Anlage eines neuen Bankkonto, die Pflege und der Abgleich der  Forderungen mit einem weiteren Eingangskonto mit sich bringt.

Nebenbei gibt’s das Sofortbank-Konto natürlich nicht gratis. Laut der Sofortbank-Webseite kostet das “Business-Flex”-Konto monatlich 4,90 € (derzeit Einführungsangebot: 0,00 €) und das “Business-Aktiv”-Konto 19,90 € im Monat (derzeit 9,90 €). Jede Buchung kostet weitere 0,15 € beim “Flex”- und 0,07 € beim “Aktiv”-Konto.

Zahlungsgarantieverzicht

Der Verzicht auf die Zahlungsgarantie scheint mir auf den ersten Blick problemlos – bei der Zahlung per sofortüberweisung werden PIN und TAN abgefragt und die Überweisung verhält sich für den Kunden wie eine Überweisung via Online-Banking. Sprich die Überweisung wird nur ausgeführt, wenn das Konto gedeckt ist. Wie ich bei meiner Recherchen zu diesem Artikel überraschenderweise festgestellt habe, ist ein Widerruf einer Überweisung allerdings doch möglich!
Bis zum 31.10.09 war es möglich, Überweisungen bis zu ihrer Ausführung durch die Bank zu stoppen und seitdem ist eine Rückabwicklung aus “Kulanzgründen” möglich (siehe anwalt.de). Von Vortei ist das für Kunden, die beim Online-Banking versehentlich eine Null zu viel an den Betrag gehängt haben, sie können ihren Fehler korrigieren. Leider gilt das gleiche für Zechpreller: Ein Anruf bei der Hausbank unmittelbar nach der Zahlung per sofortüberweisung schein zu genügen, um die Überweisung rückgängig zu machen – vorausgesetzt die Bank speilt mit. In jedem Fall besteht die Möglichkeit.

Das relevante Risiko, das mit Verzicht auf die Zahlungsgarantie von sofortüberweisung auf den Händler übergeht, liegt in Betrugsfällen. Also konkret z.B. in der Nutzung widerrechtlich erlangter PINs und TANs.
Dieses Risiko gilt es für die eigene Branche zu beurteilen. Im Zweifel würde ich das Risiko einfach eingehen, schließlich läst sich der komplette Dienst einfach abschalten, wenn Betrugsfälle überhand nehmen.

Kündigung

Eine Kündigung des Services ist aus meiner Sicht nicht angebracht. Auch wenn sofortüberweisung derzeit viel mediale Kritik bekommt (siehe die Vorwürfe Anfang des Jahres bzgl. der Menge der abgefragten Bank-, Konto- und Kundendaten) wird die Zahlungsart immer besser angenommen und sowohl Kosten als auch die Abwicklung sind verhältnismäßig unkompliziert, denke man da nur an Paypal, Amazon und Co.

Mein Fazit

Wie so oft heißt es abwarten und beobachten. Wir werden für unsere Shops sofortüberweisung ohne die Zahlungsgarantie weiternutzen. Sollten sich Probleme ergeben, die sich nicht beheben lassen, wird sofortüberweisung abgeschaltet. Das wäre zwar schade, da mir persönlich der Dienst sehr sympathisch ist, würde aber derzeit keine unverhältnismäßig großen Auswirkungen auf den Shopumsatz haben.

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