Die Relevanz der Startseite

Diesen Blogbeitrag schreibe ich, weil ich nicht nachvollziehen kann, warum in den allermeisten Fällen keine Dynamisierung der Startseite stattfindet. Mir ist keine (Mittelklasse)-Shopsoftware bekannt, die standardmaäßig eine zielgruppenabhängige Startseite bereitstellt.

Das Problem

An der Bedeutung der Startseite scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie das Tor zur Webseite, Aushängeschild, Dreh- und Angelpunkt, für die anderen ist sie eine Seite von vielen, eine besondere zwar, aber längst nicht die wichtigste.
Ich gehöre zur Gruppe der “anderen”:-)

Aus meiner Sicht wird die Bedeutung der Startseite maßlos überschätzt. Jedenfalls für Online-Shops. Bei Internetseiten, wo sich nicht alles um Umsätze oder ganz allgemein Conversions dreht, spielt die Startseite sicher eine andere Rolle.

Bei Online-Shops gibt es drei unterschiedliche Startseitenbesuchergruppen:

  • Stammkunden, die die URL direkt eingeben, bzw. über ein Lesezeichen aufrufen
  • Besucher, die über eine externe oder interne Verlinkung auf die Seite gelangen (ich nenne sie mal “Surfer”)
  • Suchmaschinen- und andere Robots, die die Startseite als “Welcome”-Seite oder Inhaltsverzeichnis betrachten

Bei der Gestaltung der Shop-Startseite sollten unbedingt diese drei Zielgruppen bedient werden. Und auch nur diese drei Gruppen. Für alle anderen Besucher sollten Landingpages vorgehalten werden, auf die verlinkt wird, z.B. von Bannern, Newslettern, adwords-Anzeigen, …

Stammkunden

Stammkunden erwarten auf der Shop-Startseite Informationen über ihre bisherigen Bestellungen, ihre persönlichen Daten, individuelle Produkt-Empfehlungen und Hinweise auf aktuelle, zielgruppenspezifische Aktionen.

Das klassische Beispiel für die Anpassung der Startseite für Stammkunden ist Amazon. Der User wird über ein Cookie wiedererkannt und auf gut Glück mit dem Namen des zuletzt an dem Rechner angemeldeten Kunden angesprochen. Weiterführende Infos gibt’s gegen Passworteingabe. Über die Zusammenstellung der Produktempfehlungen kann bei Amazon gestritten werden, in jedem Fall gibt es welche und die werden wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht geklickt.

Aus meiner Sicht wichtige Inhalte und Eigenschaften:

  • Wiedererkennung des Users anhand eines Cookies (aber vorher fragen, z.B. “eingeloggt bleiben?”)
  • individuelle Produktemfehlungen
  • Informationen über relevante Aktionen
  • übersichtliches Layout (“Cockpit”)
  • schnelle Erreichbarkeit der Bestellhistorie
  • schnelle Erreichbarkeit der persönlichen Daten
  • schnelle Erreichbarkeit relevanter Produkte und Kategorien

Das hier braucht’s nicht:

  • Hinweise zu Aktionen, an denen der User bereits teilgenommen hat
  • Hinweise zu Features, die der User längst aktiviert hat (Newsletter-Anmeldung, Facebook-Fan werden, …)
  • überfrachtete Produktempfehlungen aus Kategorien, aus denen der User Produkte bestellt hat (es macht keinen Sinn, dem User zehn Fernseher anzubieten, nur weil er zuletzt einen Fernseher bestellt hat)
  • Aktionen / Produkte / Kategorien mit zielgruppenirrelevanten Inhalten

Surfer

Surfer besuchen die Startseite aufgrund von Verlinkungen auf anderen Seiten.

Sie erkennen Surfer bspw. daran, dass kein Cookie deren Seite gespeichert ist. Sie können also allen Usern ohne Cookie eine komplett alternative Startseite präsentieren.

Welche Inhalte relevant sind müssen Sie anhand der Daten aus Ihrem Webanalyse-Tool ermitteln. Kommen die meisten Startseitenbesucher von Foren mit fachlichem Bezug kann die Startseite zur Landingpage werden, indem Sie häufigen Quellen feste Weiterleitungen zuweisen. Z.B. bekommen die Besucher von Fachforum A immer die Kategorieseite mit Produkten, die für A relevant sind, angezeigt.
Den Besuchern Ihrer Startseite, die von einer Suchmaschine kommen und aufgrund eines Metatags bei Ihnen landen, können Sie entweder ebenfalls Tag-abhängige Weiterleitungen einrichten oder Ihre Suche automatisiert mit den bei Google gesuchten Tags füttern und die Besucher so zu relevantem Inhalt führen.

Die Surfergruppe ist sicherlich die Anspruchsvollste. Zudem wird ein großer Teil der Benutzer Ihre Seite nach wenigen Sekunden wieder schließen, sodass Auswertungen erschwert werden können.

  • Sie sollten anhand der Ergebnisse Ihrer Webanalyse-Software (Pseudo-)Weiterleitungen einrichten
  • versuchen Sie die Startseiten-Inhalte den Quellseiten thematisch anzupassen
  • stellen Sie die USPs Ihres Shops auf der Startseite in den Mittelpunkt
  • verzichten Sie auf übertriebene Produktwerbung

Roboter

Bots geht es ausschließlich um die Bewertung Ihrer Inhalte und der Indizierung dieser Inhalte. Neben der Validität Ihrer Seite sollten Sie die Bots davon überzeugen, dass Sie gute Inhalte zu bieten haben. Nachdem die “Surfer” die anspruchsvollste Zielgruppe sind, sind die Roboter sicherlich die mit den komplexesten Anforderungen.

  • nutzen Sie die Google Webmastertools zur Analyse und Optimierung Ihrer Webseite
  • verwenden Sie eigene suchmaschinenoptimierte Texte, niemals kopierte Texte
  • bearbeiten Sie Bilder vor der Verwendung, z.B. durch Beschneiden
  • informieren Sie sich gut über Suchmaschinenoptimierung oder lassen Sie sich beraten, hier kann viel verschlimmbessert werden

Fazit

Eine Startseite lässt sich nicht so ohne weiteres ändern, wie beispielsweise eine Produktbeschreibung. Vor allem, wenn aus konzeptioneller Sicht einiges zu tun ist. Schauen Sie Ihre Startseite einmal aus den drei beschriebenen Perspektiven an und bestimmen Sie selbst den Handlungsbedarf. Eine identische statische Startseite für alle Besucher ist seit ca. zehn Jahre überholt.

Auch wenn es aufgrund der Ausführungen auf dieser Seite den Anschein hat, die Startseite müsse einen hervorgehobenen Status erhalten – dem ist nicht so. Viel wichtiger ist die Pflege Ihrer Produktseiten, der Landingpages und dem Bestellprozess.
In meinem Fall bekommen nur die wenigsten Besucher die Startseite zu Gesicht, eben weil sie von Google direkt auf die Produktseiten geleitet werden.
Also: Die Startseite ist besonders, aber längst nicht die wichtigste Seite.

Amazon Payment, DHL Checkout und Paypal – ein Kostenvergleich

Die Gebühren der Bezahlsysteme Paypal und Amazon sind identisch – schlauerweise hat sich Amazon genau an das Paypal-Preismodell gehalten, was weder dazu führt, dass Amazon Payments aufgrund der höheren Kosten nicht eingesetzt wird, noch dass Paypal sauer wird, weil Amazon günstigere Preises anbietet.

DHL liegt ein gutes Stück über diesem Niveau. In diesem Vergleich möchte ich die Kosten gegenüberstellen und anhand einiger Rechenbeispiele die Gebühren ermitteln, die für verschieden hohe Umsätze und unterschiedliche Transaktionsmengen anfallen.

Die Gebühren im Überblick
Umsatz / MonatAmazon PaymentsPaypalDHL Checkout
innerhalb der EUaußerhalb der EUinnerhalb der EU + Norwegen, Island, Liechtensteinalle anderen Zahlungen
< 5.000 €1,9 % + 0,35 €3,9 % + 0,35 €1,9 % + 0,35 €3,9 % + 0,35 €2 % + 0,20 €
5.000 € - 25.000 € 1,7 % + 0,35 € 3,7 % + 0,35 € 1,7 % + 0,35 € 3,7 % + 0,35 € 2 % + 0,20 €
25.000 € - 50.000 € 1,5 % + 0,35 € 1,5 % + 0,35 € 1,5 % + 0,35 € 1,5 % + 0,35 € 2 % + 0,20 €
> 50.000 €1,2 % + 0,35 € 1,2 % + 0,35 € 1,2 % + 0,35 € 1,2 % + 0,35 € 2 % + 0,20 €
      
Grundgebühr    20 € / Monat (ab dem 13. Monat)
QuelleKlickKlickKlick

Es ist relativ deutlich zu sehen, dass DHL mit pauschalen 2 % vom Warenkorbwert ein deutlich größeres Stück vom Kuchen möchte, als Amazon und Paypal mit 1,2 bis 1,9%.

Beispielrechnungen
UmsatzTAAmazon PaypalDHL inkl. GrundgebührDHL ohne Grundgebühr
innerhalb der EUabsprozabsproz
Beispiel 1: 10 TA / Monat, 100 € WKW
1.000 €1022,50 €42 €+ 19,50 €+ 87 %22 €- 0,50 €- 2 %
Beispiel 2: 100 TA / Monat, 100 € WKW
10.0000 €100205 €240 €+ 35 €+ 17 %220 €+ 15 €+ 7 %
Beispiel 3: 100 TA / Monat, 10 € WKW
1.000 €10054 €60 €+ 6 €+ 11 %40 €- 14 €- 26 %
Beispiel 4: 1000 TA / Monat, 10 € WKW
10.000 €1000520 €420 €- 100 €- 19 %400 €- 120 €- 23 %
Beispiel 5: 1000 TA / Monat, 100 € WKW
100.000 €10001550 €2.220 €+ 670 €+ 43 %2.200 €+ 650 €+ 42 %
Beispiel 6: 1TA / Monat, 1 € WKW
1 €10,36 €20,22 €+ 19,86 €+ 5486 %0,22 €- 0,14 €- 39 %

In den Beispielen 1 bis 5 habe ich realistische Zahlen verwendet, in Beispiel 6 ging es mir um den Vergleich bei 1 Euro / Monat.

In den ersten 12 Monaten sind die Kosten für DHL Checkout je nach Umsatzhöhe noch relativ human, anschließend lohnt sich DHL aus finanzieller Sicht nur dann, wenn Sie verhältnismäßig viele Transaktionen abwickeln, sodass die um 15 Cent günstigeren Transaktionsgebühren die 0,1 % mehr vom Umsatz relativieren.

Hier geht es zum DHL Checkout-Artikel und hier zum Amazon Payments-Blogbeitrag.

 

DHL Checkout ?!?

Sehr, sehr kritisch stehe ich diesem Service von DHL gegenüber, wesentlich kritischer als gegenüber DHL. Schon im letzten Jahr hat DHL bewiesen, dass sie eCommerce nicht können. Im letzten Jahr mit MeinPaket.de, dem lieblosen Alles-für-jeden-Marktplatz und nun die neue Zahlungsmethode für Online-Shops.

Passend nach der kürzlichen Einführung von Amazon Payments, womit ich mich bereits auseinander gesetzt habe (klick), möchte DHL im Markt der Zahlungsanbieter mitmischen und bietet den Shopbetreibern mit DHL Checkout einen Paypal-Klon an.

DHL wirbt mit den Attributen “einfach”, “sorglos” und “sicher” und möchte als Zielgruppe die “Best Ager” ansprechen, sagt Andrej Busch, CEO der Sparte DHL Paket auf internetworld.de, in dieser Zielgruppe genieße man hohes Ansehen.

Möglicherweise hat er recht. Manchem “Best Ager” (um die Wortwahl von DHL zu übernehmen) wird der allgemeine schlechte Ruf von Paypal nicht passen, sodass die Bezahlung über die “Post”, also einem urdeutschen, vertrauenswürdigen Unternehmen, eine gute Alternative darstellt.

Die Idee, dem beliebten und erfolgreichen Zahlungsanbieter Paypal Konkurrenz zu machen (der wie DHL-Checkout an einen Marktplatz gekoppelt ist / war), finde ich zunächst ziemlich gut. Paypal kann als Quasimonopolist seinen Kunden, den Shopbetreibern, genau vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben und kann es sich ohne weiteres erlauben, auch mal selbst die eigenen Regeln zu brechen. Vielleicht wird DHL Checkout ein klein wenig dazu beitragen, dass Paypal sein Verhalten ein bisschen ändert.

DHL wird es aber nicht im entferntesten gelingen, Paypals Marktmacht anzukratzen. Dazu ist DHL viel zu weit von der ganzen eCommerce-Thematik entfernt.

Hier habe ich die Gebühren von DHL-Checkout, Amazon Checkout und Paypal verglichen. DHL ist ungleich teurer als die beiden Konkurrenten, ein weiterer Grund zunächst vom DHL-Checkout Abstand zu nehmen.

Ich bin sehr gespannt, wieviele Händler die neue Zahlungsart einsetzen werden.

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