Amazon Payment – Segen oder Fluch? Hier eine kleine Kritik
Ich habe mich selten über eine solche einseitige Berichterstattung gewundert / geärgert, wie beim Launch von Amazon Payments (z.B. hier, hier). Überall wird der neue Bezahldienst in den höchsten Tönen und mit den schönsten Worten gelobt, es wird sich gefreut, Paypal wird das Aus prognostiziert, doch keiner schreibt darüber, was es für den Nischenanbieter, Kleinsortimenter oder Käufermarktanbieter bedeutet, wenn ein einzelner, in vielen Fällen konkurrenzlos günstiger Händler mit quasi unendlichem Sortiment Verkaufszahlen unzähliger Shops sammelt, auswertet und verwendet.
Segen?
Natürlich liefert Amazon einen enormen Mehrwert für Shops, die ihren Kunden eine einfache, vertrauenswürdige, weil in den meisten Fällen bekannte Zahlungsart anbieten. Vor allem kleine Shops haben nun eine echte Alternative zu Paypal.
Fluch?
Paypal gehört ebay. ebay bietet zwar Waren über das Internet an, aber ebay “verkauft” nicht (bzw. hat damit begonnen, schließlich ist “brands4friends” inzwischen eine ebay-Tochter). Auch wenn Google mit seinem Checkout Deutschland erreicht, ist die Situation eine andere, Google verkauft schließlich ebenfalls nicht. Noch nicht jedenfalls. Doch Amazon verkauft selbst und das ausschließlich.
Die Behandlung der Marketplace-Anbieter in der Vergangenheit zeigt deutlich, was Amazons (verständliches und gerechtfertigtes) Ziel ist: Profit. Die Marketplace-Verkäufer stellen ihre Angebote bei amazon ein, pflegen Texte und Bilder und verkaufen im besten Fall eine Menge über diesen Kanal. Amazon verdient zwar bei jedem Verkauf mit, jedoch scheint die quasi kostenlose Umsatzbeteiligung nicht auszureichen – amazon verleibt sich gut laufende Produkte ein, “übernimmt” Artikelbeschreibung und Bilder vom Marketplace-Verkäufer, der seine Recht stillschweigend durch Akzeptanz der AGB an amazon übertragen hat und unterbietet den Preis der Marktplatz-Anbieter (Ich spreche aus Erfahrung…).
“XIII Urheberrecht, Lizenz, Nutzungsrechte
Die Teilnehmer übertragen Amazon ein vergütungsfreies, zeitlich unbefristetes, unfassendes Nutzungsrecht, insbesondere zur Vervielfältigung, Verbreitung, Verarbeitung an allen Werken oder Werkteilen sowie Datenbanken der jedem anderen Katalog oder jeder anderen Produktinformation, die Teilnehmer im Rahmen des Online-Angebotes von Amazon an Amazon übermitteln (mit Ausnahme jedes Firmenzeichens, jeder Schutzmarke oder anderen ähnlichen Brandings) einschließlich des Rechts, diese Inhalte in Printmedien, online, auf CD-Rom, etc. zu publizieren, auch zu Werbezwecken.”
Mehr dazu bei internetrecht-rostock.de.
Mit der Nutzung von Amazon Payments stellen die Shopbetreiber Amazon alle verkaufsrelevanten Daten zur Verfügung. Amazon wird sich die bundes-, europa- oder weltweit am besten laufenden Produktgruppen, die noch nicht bei Amazon angeboten werden unter den Nagel reißen und in direkter Konkurrenz zu den Shops stehen, die gutgläubig Amazon Payments einsetzen.
Ich bin mir sicher, dass aus Kundensicht Amazon Payments eine echte Bereicherung darstellt, die sich auch auf den Umsatz positiv auswirken wird, ich bin mir allerdings ebenso sicher, dass sich der beschriebene Kannibalisierungseffekt einstellen wird. Ich werde in den Shops, die ich betreue Amazon Payments bis auf weiteres nicht einsetzen. Ich werde Shops, die die neue Bezahlmethode im Einsatz haben, beobachten und die Zahlungsart bei privaten Einkäufen sicher auch selbst nutzen und mich an der Unkomplizierteheit erfreuen – dennoch bleibe ich bei meiner Empfehlung: Shopbetreiber sollten zunächst auf den Einsatz verzichten und abwarten.